

















Die echte Romy im Original geschrieben
Ein verschollen geglaubter Film bringt Jahrzehnte später jene Romy Schneider zurück, die hinter Ruhm, Rollenbildern und Legenden verborgen blieb
Der Film über Romy Schneider entstand eher widerwillig. Ursprünglich sollte ich für das Fernsehen einen Probenfilm über Fritz Kortner machen. Nachdem dieses Projekt zunächst scheiterte, fragte der Bayerische Rundfunk stattdessen einen Film über Romy Schneider an. Romy statt Kortner erschien mir damals kein attraktiver Tausch. Zu sehr war sie für meine Generation noch mit dem Sissi-Image verbunden, mit jenem Heimatfilm, dessen Welt wir hinter uns lassen wollten.
Dennoch fuhr ich in die Berge, wo sie sich damals zum Skifahren aufhielt. Geplant waren drei Drehtage, in denen wir nicht die berühmte Schauspielerin, sondern die Person Romy Schneider zeigen wollten. Wir trafen eine Frau zwischen ihren Pariser Erfolgen, müde vom Starrummel und zugleich neugierig auf das deutsche Theater. Eine Frau an einem Wendepunkt ihres Lebens.
Schwierig wurde später die Abnahme des Films. Der BR hatte Romy Schneider eine Mitsprache vor der Ausstrahlung zugesagt. Ihr damaliger Partner Harry Meyen wollte sie anders dargestellt sehen. Nicht als nachdenkliche Frau im Schnee, die sich Fragen über ihr Leben und ihre Zukunft stellt, sondern als Star auf dem Weg zurück in die Heimat und auf die deutsche Bühne. Er verlangte 32 Schnitte. Sie hätten den Film grundlegend verändert.
Ich konnte dem nicht zustimmen. Es kam zum Konflikt zwischen Regie und Produktion. Schließlich zog ich meinen Namen als Regisseur zurück. Der Film erhielt ein neues Ende, das Romy als Mutter mit Kind an der Seite Harry Meyens zeigte.
Jahrzehnte später wurde die ursprüngliche Fassung wiederentdeckt. Nicht durch den damaligen Produzenten und auch nicht durch den Sender selbst, sondern im Zuge meiner Recherchen für eine Retrospektive meiner Filme im Centre Pompidou in Paris im Jahr 2003. So tauchte jene andere Romy wieder auf – befreit von den damaligen Auseinandersetzungen, Anwälten und Eingriffen.
Es ist eine Romy, die viele sehen wollen. In Paris, in Moskau, digital englisch und in Demmin. Eine Romy, wie sie wirklich war. Was von diesem Film vor allem bleibt, ist ihr Lachen. Das Lachen einer Frau im Regen. Privat, ungeschützt, ohne Pose. Es unterscheidet sich von jenem Lachen, das sie für die Öffentlichkeit spielte. Etwa bei Visconti in „Ludwig“, wenn sie als Kaiserin Elisabeth den Spiegelsaal von Herrenchiemsee betritt. Dort ist das Lachen Teil einer Rolle. Bei uns ist es einfach ihr eigenes.
Wir fanden eine Romy Schneider, die leicht sein konnte. Die nicht Theater spielen musste. Eine Königin der Herzen aus Deutschland, aber ohne Krone. Eine Frau voll Melancholie und Lebenslust zugleich. Eine Verwandte jener „triste Venise“, die durch viele ihrer Rollen schimmert. Für einen kurzen Augenblick gelang es, sie so zu zeigen.
Vielleicht ahnte sie nicht, was dieser Film einmal bedeuten würde. Vielleicht spürte sie aber, dass hier etwas sichtbar wurde, was sonst verborgen blieb. Deshalb bewegt die wiederentdeckte Fassung die Zuschauer bis heute.
Besonders eindrucksvoll war ihre Vorführung in Demmin 2017. Und d ann als neuer Film davon in den Demminer Gesängen2023. Dort entstand eigens ein provisorisches Kino für den Film. Mehrfach wurde es durch Stürme zerstört und wieder aufgebaut. Als wolle man diesem Bild von Romy Schneider einen Ort geben, an dem es weiterleben kann.
Für mich war die Wiederentdeckung des Films auch die Wiederentdeckung einer verlorenen Möglichkeit. Jahrzehntelang galt die ursprüngliche Fassung als verschwunden. Sie nun wieder vorführen zu können, bedeutete die Rückgewinnung eines Blicks auf Romy Schneider, der damals verdeckt worden war.
Der ursprüngliche Anstoß für das Projekt bestand übrigens darin, Romy Schneider dem deutschen Theater näherzubringen. Man hatte mich ausgewählt, weil ich zuvor einen Film über die Probenarbeit Fritz Kortners gedreht hatte. Heraus kam jedoch etwas anderes: das Porträt einer Schauspielerin, die damals missverstanden wurde und deren Möglichkeiten andere oft unterschätzt blieben.
Romy Schneider blieb für viele Menschen die Sissi der populären Fernsehprogramme. Doch hinter dieser Figur stand eine andere Frau. Vielleicht war es gerade diese andere Romy, die mich schließlich interessierte. Die sie auch hier am besten selbst spielte.
Wenn der Bayerische Rundfunk diesen Film heute wieder zeigt, dann nicht als Starporträt im üblichen Sinn. Er zeigt eine Romy Schneider, die sich selbst näherkommt. Eine Frau zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Deutschland und Frankreich, zwischen Rolle und Wirklichkeit. Genau darin liegt bis heute seine besondere Bedeutung.
Der Regisseur Hans-Jürgen Syberberg porträtierte die damals 27-jährige Schauspielerin sehr intim in Kitzbühel, um sie fernab des „Sissi“-Images zu zeigen. Seine Fernsehdokumentation trägt den Titel „Romy – Portrait eines Gesichts“ (1966/1967).




Dieser Text ist der authentische Verlauf wie nach Bestellung verfasst.

Der gesamte Text des Films im Schirmer Verlag erschienen
Zugeschickt von A.L Alt Ötting.




Wie kommt diese lachende R. nach 60 Jahren aus Paris nach diesem D. am Ende der Welt. Das ist die gar nicht so harmlose Geschichte, wenn diese zum german epic wird.

Das berühmte Romy-Lachen in Viscontis Ludwig
kam 6 Jahre danach.
1966-2023. Dazwischen liegen nun 60 Jahre bis heute.
1965 Während der Filmaufnahmen des Porträts
Russische Untertitel für die Tretyakov Galerie im Moskau dem Museum der russ. Ikonen
Die hist. Sissi wie wir sie als Postkarte mit Unterschrift dort auf den Bergen bei Ischl fanden.