Schlingensief inszeniert in Bayreuth
Der Theater-Provokateur Christoph Schlingensief erklimmt den grünen Hügel der Musikkultur. Als Ersatz für Martin Kus╣ej wird er im kommenden Jahr den "Parsifal" neu inszenieren.
DDP
Regisseur Schlingensief: Ein Provokateur erklimmt den grünen HügelBayreuth - Die Festspielleitung freue sich, bekannt geben zu können, "für die Neuinszenierung 'Parsifal' anlässlich der Bayreuther Festspiele 2004 Christoph Schlingensief als Regisseur gewonnen zu haben", hieß es am Donnerstag auf der Website der Bayreuther Festspiele.
Der neue "Parsifal" sollte eigentlich von Martin Kus╣ej (Regie) und Martin Zehetgruber (Bühnenbild) inszeniert werden, doch der Vertrag wurde Mitte Mai gelöst, nachdem Festspielleitung und Regisseur auch nach wochenlangen Verhandlungen keinen Konsens über "gemeinsame Arbeitsprinzipien" gefunden hatten.
Ob es mit Christoph Schlingensief in dieser Beziehung weniger Probleme geben wird, bleibt abzuwarten. Der umstrittene Filmemacher, Polit-Aktionist und Theatermacher gehört zwar zu den profiliertesten Regisseuren der Republik, gilt aber auch als eigensinniges und überprovokantes enfant terrible. Schlingensiefs Berufung an den Grünen Hügel von Bayreuth darf also zunächst als mutiger Schritt gewertet werden, zumal Richard Wagners Oper "Parsifal" die erste Berührung des gebürtigen Oberhauseners mit dem Musiktheater sein wird.
Die Verantwortlichen für Bühnenbild und Kostüme sind noch nicht benannt. Die musikalische Leitung bleibt allerdings in den Händen von Pierre Boulez.


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·  Interview mit Christoph Schlingensief: "Die Kunstfigur darf sagen, was sie will" [€] (01.07.2002)
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MÖLLEMANNS TODESSPRUNG
Zeugen erhärten Selbstmordtheorie
Bestürzung nach dem Tod von Jürgen W. Möllemann. Augenzeugen berichten, dass er vermutlich freiwillig in den Tod gesprungen sei. Auch die Staatsanwaltschaft schließt einen Selbstmord nicht aus. Am Vormittag hatten Justizbeamte in einer generalstabsmäßig geplanten Razzia mehrere Wohnungen und Büros des früheren FDP-Politikers durchsucht.
AP.
Beamte der Staatsanwaltschaft und der Steuerfahndung hatten bei einer internationalen Razzia Büros und Wohnräume Möllemanns durchsucht. Insgesamt seien 25 Objekte in vier Ländern aufgesucht worden. Auch Büros im Düsseldorfer Landtag, Möllemanns Bundestagsbüro, Firmenräume in Düsseldorf und Liechtenstein sowie Bankhäuser in Luxemburg wurden durchsucht. Auch Möllemanns Ferienhaus auf Gran Canaria wurde Ziel der Razzia.
AP
Ermittler der Polizei an der AbsturzstelleDie Aktion der Staatsanwälte war generalstabsmäßig geplant. Eigens für die anberaumte Razzia hatten sie nach Informationen von SPIEGEL ONLINE am Donnerstag um die Verlegung der Immunitätsausschusssitzung im Deutschen Bundestag gebeten, der statt um 16 Uhr heute Morgen um 11.15 Uhr zusammenkam.
MÖ.
Nach dem Tod Möllemanns wurden die vier Fahnen über dem Bundestag in Berlin und im gesamten Regierungsviertel auf halbmast gesetzt. Die Trauerbeflaggung wurde nach Angaben des Bundestags von Parlamentspräsident Wolfgang Thierse (SPD) unmittelbar nach Bekanntwerden der Todesnachricht angeordnet. Beim Tod eines Bundestagsabgeordneten wird grundsätzlich halbmast geflaggt.