I   Wenn ich die letzten Aufnahmen aus dem Theater während der Vorstellungen in Berlin vor einem Jahr aus dem Verratenen Volk ansehe, langsam und immer wieder, mit ihm sich einmengend, der mit Nietzsches ecce homo furios begann, nun am ende des Abends, den Tanz vor dem dies irae Mozarts, sehe ich die Menschen um ihn auf der Bühne, jedes für sich, Junge und Alte, in schwarzen Kleidern barfuss, nackt an den Füssen, singend mit offenen Mündern und Sprüngen, weit und hoch bewegten Armen, wie sie, jedes für sich zu Figuren werden und diese wieder aufgebend zu anderen  kommen, heiter und  sanft,  mit hochgehaltenen Hängen, in Diagonalen locker, wie es sich ergibt und im Kreis zusammen und wieder auseinander. Ganz einfach. Und so schwer. Wie kommt das zustande. Anweisungen allein werden dies nicht veranlassen. Die Anspannung

der Sprechgesänge zuvor über Stunden und nun entlassen? Manchmal auch der, der das veranlasste, zusammen hält, dazwischen, von Einem zum Anderen, und wieder weg. Sie bemerken ihn wohl, konzentrieren sich um ihn, seine Magie, aber lassen nicht nach, wenn er verschwindet zur Seite. Später, das dies irae an der Rampe, der Chor, sonst Leere dahinter und dazwischen sein Schrei - was? Klatschen, Toben von unten, von denen die blieben. Theater, das sie alle wollen, oben auf der Bühne, unten als Publikum, sie, die kritisch sich äußerten, Kollegen, Feinde, Neider. Insgeheim. Woraus Theater kam, wohin es will.

Dionysos aus Deutschland, ost, der Provinz, Berlin von heute. Archaik aus der DDR, trotzdem. Räume endloser Varianten, Stimmenkonstellationen, Licht- und Figurenerfindungen. Das große Angebot eines Liebenden, der nur so sich äußern kann im Versagen der realen Welt, Frieden suchend aus dem Chaos und Kampf in sich.              

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